Der Reale Außerirdische
Fiktional erproben wir den Erstkontakt mit Außerirdischen schon geraume Zeit. Doch können wir wirklich wollen, dass unsere Suche nach extraterrestrischem Leben erfolgreich ist? Mit der Theorie Lacans im Gepäck darf man daran zumindest zweifeln, meint Niklas Döbler.
Den Blick zu den Sternen gerichtet, ertappten sich die größten Denker der Menschheit bei der Frage: Ist da draußen wer? Trotz wissenschaftlicher Fortschritte und immer besserer Teleskope blieb die „Suche nach extraterrestrischer Intelligenz“ (kurz: „SETI“) bisher erfolglos. Selbst wenn wir sie fänden: Die astronomischen Dimensionen des Alls sind ein ernstzunehmendes Hindernis für jeden Versuch der Kontaktaufnahme.
Also warum das Ganze? Warum suchen wir überhaupt nach intelligentem Leben im Universum? Naiv könnte man meinen: Weil sie (vielleicht) da sind! Doch unter der Lupe der Psychoanalyse verbirgt sich hinter SETI das, was Jacques Lacan das „Begehren“ nennt: das unbewusste und unstillbare Streben nach etwas, von dem sich das Subjekt verspricht, den natürlichen Mangel zu beheben, den es erfahren hat, als es von der Mutter getrennt wurde und begriff, dass Eigen- und Fremdwahrnehmung nicht deckungsgleich sind. Da wir uns von Außerirdischen mehr erhoffen als einfach nur ein nettes Gespräch unter Nachbarn, sind sie hier als Grund für das Begehren zu verstehen. Als unbestimmte Leere, die dennoch unser Begehren und unsere Realität zu strukturieren weiß. Welches Begehren sich hinter der Frage „Sind wir allein?“ verbirgt? Wahrscheinlich nichts weniger als die Suche nach der endgültigen Gewissheit über unseren Platz im Universum.
Der Alien auf der Leinwand
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Kommentare
Bis zu anderen zivilisiert bewohnten Planeten ist es nach heutiger wissenschaftlicher Vermutung wohl ein weiter Weg.
Um den weiten Weg zurückzulegen braucht es nach meinem Verständnis wohl Technik, welche besser wird, und Zeit, welche mehr wird. Technik wird momentan Jahr für Jahr besser, auch wenn es für Geschwindigkeit physikalische Grenzen zu geben scheint. Durchschnittliche individuelle Lebensdauer kann sich vielleicht ziemlich plötzlich von Jahrzehnten zu "technisch unbegrenzt"/ Jahrtausenden wandeln. Wenn individuelles Leben unbegrenzt pausiert werden könnte, dann würden auch zumindest galaktische astronomische Entfernungen machbar. Und da wären ja schon einige Millionen Planeten zu beschauen. In der selben Situation waren vielleicht statistisch abgeschätzt wohl schon viele andere Zivilisationen in der Milchstraße. Es sind ja schon Planeten gefunden worden mit geschätzt besseren Bedingungen für irdisches Leben als die Erde.