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Bild: Vladimir Haltakov (Unsplash)

Impuls

Die Philosophie der Kirschblüte

Octave Larmagnac-Matheron veröffentlicht am 06 April 2021 3 min

Aktuell begehen viele Menschen in Japan das traditionelle Kirschblütenfest Hanami. Dem Philosophen Tetsurō Watsuji zufolge zeigt sich hier allerdings weit mehr als der anbrechende Frühling. Es ist ein Symbol für die Verbindung von Mensch und Umwelt.

 

Norio Ohmagari, der als Mitglied des Nationalen Zentrums für Gesundheit und Medizin in Japan die dortige Regierung im Umgang mit der Pandemie berät, warnte kürzlich: „Wir befürchten einen sprunghaften Anstieg an Infektionen, wenn die Menschen weiter in Scharen vor die Tür strömen, um das Hanami, das Kirschblütenfest, zu feiern“. Von Deutschland aus betrachtet, mag diese Sorge auf den ersten Blick eigentümlich wirken. Schließlich erfreuen sich hierzulande zwar vielen Menschen ebenfalls unzählige Menschen an den Kirschblüten, aber hierzulande verursachen sie keinen Massenauflauf. In Japan kommt diesem Frühlingsritual jedoch eine ganz besondere Bedeutung zu. So beschreibt der Philosoph Tetsurō Watsuji (1889-1960) in seinem Buch Fūdo das Hanami als Symbol für die Verbundenheit des Menschen mit seiner Umwelt. Denn jedes Individuum – und mit ihm jede einzelne Kultur – stehe nach Watsuji untrennbar in Verbindung mit der Landschaft, die ihn bzw. sie umgibt. So erfahre man sich mitunter am deutlichsten als Japaner oder Japanerin, wenn man „die Kirschblütenblätter im Wind fliegen sieht“.

 

Subjekt und Objekt sind eins

 

Anders als große Teile der westlichen Philosophietradition, durch die ein tiefer Graben zwischen Subjekt und Objekt, Innenwelt und Außenwelt, Ich und Nicht-Ich verläuft, gehen weite Teile der japanischen Tradition von einer inhärenten Verbundenheit dieser Sphären aus. Für Watsuji und zahlreiche andere Denker besteht deshalb keine Kluft zwischen der wahrgenommenen Schönheit eines Kirschbaums und dem wahrnehmenden Subjekt. Der Mensch erfahre sich gerade dann selbst, wenn er sich als zugehörig zu einer je bestimmten Umwelt (der Titelgebenden „fūdo“) erkennt. Martin Heideggers Verständnis des Menschen als „in die Welt geworfenes Dasein“ nicht unähnlich, ist der Mensch für Watsuji ein „in die Welt hinausgetragenes“ Wesen, das sich selbst als solches begreift, wenn es sich seiner Umwelt aussetzt. Der Kälte, die ihm unangenehm ist, der Hitze, die ihn ermattet, der Schönheit von Kirschblüten im Frühling, die ihn überwältigen. 

Einige dieser Erfahrungen unserer Existenz in der Umwelt wie Kälte und Hitze sind dabei universell. Andere wiederum sind charakteristisch für einzelnen „Regionen“. So auch die Kirschblüten, die in einigen Bereichen Japans allgegenwärtig sind. Durch das Bestaunen der prächtigen Blüten mit Verwandten und Nachbarn, so Watsuji, bestaune man so auch auf eine Weise sich selbst, da das „Ausgehen“ auch immer ein „Aufgehen im anderen Ich“ sei. Durch eine geteilte Erfahrung der Umwelt würde offenbar, dass wir alle sowohl mit unserer Umwelt als auch mit allen anderen verbunden seien. Es sei genau dieses gemeinschaftliche Eintauchen in die Einzigartigkeit einer Umwelt, zu der man gehöre, die eben diese Gemeinschaft bilden würde.

 

Von der Kirschblüte zum Verständnis des Selbst

 

All das hat allerdings nichts mit kulturellem Essentialismus zu tun, da nach Watsuji jede Kultur ihre Praktiken frei wählen und entwickeln könne, um ihre ursprüngliche Verbindung zur Umwelt zu erfahren. Der Bau von Häusern, die jeweils auf optimale Weise vor den gegebenen Witterungen schützen, oder bestimmte Fruchtbarkeitsfeste seien nur zwei von zahlreichen Beispielen. In Watsujis Beschreibung des Kirschblütenfests wird ebenfalls deutlich, dass die Pracht der lokalen Fauna zwar der Anlass, keineswegs jedoch das Ziel des Rituals ist. Denn in den ersten lauen Nächten des Jahres treffe man sich mit guten Freunden, trinke und tanze unter den Bäumen. Der Genuss der Frühlingslandschaft und dessen richtiges Verständnis (自己了解, jiko ryōkai) böte die Möglichkeit zur individuellen Freude sowie zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts. 

Dem westlich geprägten Blick mag ein solche ganzheitliche Vorstellung von Selbst und Umwelt nicht immer leichtfallen. Genau deshalb bietet Hanami aber eine Gelegenheit, diese ursprüngliche Verbindung wieder zu entdecken, die zumindest im japanischen Verständnis entscheidend prägt, wer wir sind – individuell wie kollektiv. •

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