Der Kobra-Effekt
Eine zunächst sinnvoll klingende Idee führt in ein Desaster. Kommt Ihnen das bekannt vor? Dieses unliebsame Phänomen nennt sich „Kobra-Effekt“ und ist das Produkt unseres „schnellen Denkens“, wie es der Psychologe Daniel Kahneman beschreibt.
Der Zulassung von E-Scootern, die mittlerweile die Bürgersteige deutscher Großstädte säumen, lag eine ökologische Idee zugrunde: Für kurze Distanzen könnten sie das Auto ersetzen. Stattdessen werden sie vor allem für Strecken genutzt, die sonst zu Fuß zurückgelegt worden wären. Eine zunächst sinnvoll klingende Idee in puncto Umweltschutz hat zu noch mehr Verkehrsteilnehmern und Emissionen geführt – ein Umschlag, der sich durch den Begriff „Kobra-Effekt“ auf den Punkt bringen lässt. Dieser hat seinen Ursprung mutmaßlich in Indien, wo es in der Kolonialzeit zu einer Schlangenplage kam, die durch eine Prämie auf erlegte Kobras gestoppt werden sollte.
Viele Menschen jedoch fingen die Tiere ein und kassierten das Kopfgeld für gezüchtete Nachkommen, sodass es mehr Schlangen gab als zuvor. In beiden Fällen, so ließe sich mit dem Psychologen Daniel Kahneman sagen, haben die politischen Entscheider auf ihr „schnelles Denken“ gehört, welches zügig Ideen liefert, aber anfällig ist für gedankliche Kurzschlüsse. Zum Glück gibt es noch das „langsame Denken“, das zwar träger ist, Handlungsfolgen aber besser abschätzt. Statt ersten Ideen nachzugehen, ist es also oft lohnenswert, noch einmal nachzudenken. Zum Beispiel über eine Prämie für erlegte E-Scooter? •
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Kommentare
Gibt es hier nicht auch einen Transfer zu den
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