Ist assistierter Suizid moralisch vertretbar?
Wenn Weiterleben Leiden bedeutet, reift bei manchen Menschen der Wunsch, es zu beenden. Dürfen sie dabei um Hilfe bitten? Vor 25 Jahren suchten sechs prominente Philosophen nach einer Antwort.
Die Geschichte bewegte ganz Belgien: Shanti De Corte, eine 23jährige Frau, nahm den assistierten Suizid in Anspruch, um ihrem „unerträglichen psychologischen Leiden“ ein Ende zu setzen. Ihr Leiden bestand in einem Trauma infolge eines Anschlags in Belgien 2016. Es ist eine erschütternde Entscheidung, die die Art und Weise in Frage stellt, wie Gesellschaften mit der Frage des assistierten Suizids umgehen.
Sollte einer 23-jährigen Frau, die unter schrecklichen psychischen Schmerzen leidet, beim Sterben geholfen werden? Diese vieldiskutierte Frage kann anhand eines offenen Briefes beantwortet werden, der 1997 von sechs der bedeutendsten amerikanischen Philosophen, Ronald Dworkin, Thomas Nagel, Robert Nozick, John Rawls, Judith Jarvis Thomson und Thomas Michael Scanlon, mitunterzeichnet wurde und in dem sie sich für den assistierten Suizid aussprachen: „Assisted Suicide: The Philosophers' Brief“ (übersetzt: „Assistierter Suizid: Die Denkschrift der Philosophen“).
Sterben lassen und den Tod herbeiführen
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