Das Ende des Liberalismus


Unternehmen wie Google und Amazon gefährden die Freiheit der Märkte,
weil sie selbst zu Märkten geworden sind.

Von Dominik Erhard


 

Eine immer größere Marktmacht konzentriert sich in der Hand nur weniger Unternehmen. So dominieren allein Google und Facebook hierzulande die Onlinewerbung mit einem Marktanteil von 63 Prozent, die sozialen Medien mit 74 Prozent und die Onlinesuche mit ganzen 92 Prozent. Zusammen kommen Apple und Google bei Betriebssystemen für Smartphones sogar auf 99 Prozent Marktanteil und Amazon auf 50 Prozent im gesamten Onlinehandel. Doch auch wenn der enorme Einfluss der sogenannten GAFA-Gruppe angesichts dieser Zahlen nicht zu bestreiten ist, handelt es sich bei ihnen nicht um Monopolunternehmen. Die Lage ist viel gravierender, wie der Soziologe Philipp Staab in seinem Buch „Digitaler Kapitalismus“ ausführt. Denn anders als klassische Monopolisten agieren Google und Co. nicht auf Märkten, sondern sind selbst zu eben solchen geworden.


Wenn Unternehmen selbst zu Märkten werden, ist dieses das Gegenteil der philosophischen Geschäftsgrundlage des Liberalismus


 

Veranschaulichen lässt sich das am Beispiel des App Stores, den Apple 2008 einführte. Da das Unternehmen auch kontrolliert, welche Apps von Dritten auf der Plattform verkauft werden dürfen, und an jeder verkauften Einheit mitverdient, bleibt den Entwicklern nichts anderes übrig, als sich den Regeln des Unternehmens zu beugen, wenn sie ihre Programme veräußern wollen. Was im ersten Moment klingen mag wie eine weitere Konzentration von Marktmacht, ist in Wahrheit nichts anderes als das Ende des Liberalismus. Denn dessen theoretisches Fundament ruht samt und sonders auf der Idee eines neutralen Marktes und fairen Wettbewerbs, der allen offensteht. Wenn Unternehmen nun allerdings selbst zu Märkten werden und entsprechende Gatekeeper-Funktionen einnehmen, ist dieses das gerade Gegenteil der philosophischen Geschäftsgrundlage des Liberalismus. Der unsichtbaren Hand des Marktes, wie Adam Smith den Mechanismus kapitalistischer Interessenkoordination nannte, wird von Google, Amazon, Facebook und Apple eine gefährliche Fessel angelegt.


Diesen Beitrag finden Sie in der Ausgabe
Nr. 1 / 2020