„Als gerecht gilt, wenn andere noch weniger haben“

Einst stand der Markt für ein großes Gerechtigkeitsversprechen. Spätestens seit der Finanzkrise jedoch spürt ein jeder sein immenses Risikopotenzial – aber wer soll es am Ende tragen? Der Kulturwissenschaftler Joseph Vogl im Gespräch.

Soldaten des Gleichmuts

Die Gelassenheit hat eine dunkle Seite. Sie birgt eine Ethik des kompromisslosen Kampfes, wie ein Blick in die Zeit des Nationalsozialismus zeigt – und auch noch im heutigen Silicon Valley zu beobachten ist.

Da geht’s lang! Wie treffe ich eine gute Entscheidung?

Nie zuvor musste der Mensch so viele Entscheidungen treffen
wie heute. Und nie zuvor nahm er so viel professionelle Unterstützung in Anspruch. Partnervermittlung, Motivationstraining, Wahrsagerei: Eine Reise durch die Welt der Wahlhelfer.

„Die Ausschlachtung des Alten macht Reiche noch reicher“

Die Soziologen Luc Boltanski und Arnaud Esquerre diagnostizieren in ihrem jüngsten 
Buch eine neue Form des Kapitalismus. Dieser konzentriert sich auf die Verwertung des Vergangenen – und verschärft damit die sozialen Ungleichheiten.

„Ich denke mit den Füßen“

Wer Michel Serres ist? Ein gelernter Seemann, ein wandernder Linkshänder, ein Informationstheoretiker, vor allem aber: einer der originellsten Denker unserer Zeit. Immer in Bewegung, bedeutet Philosophie für ihn vor allem die Kunst, sich im eigenen Leben zu orientieren.

Brauchen wir eine Care Revolution?

Fürsorgetätigkeiten werden schlecht oder gar nicht entlohnt. Aber warum bewerten wir die Produktion eigentlich höher als die Reproduktion? Höchste Zeit für ein Umdenken.

Was der Fall ist

Bundesweit tauchen immer neue Hinweise auf ein rechtsextremes Netzwerk in der Polizei auf. Handelt es sich dabei um ein strukturelles Problem? Ein Kinderspiel kann zur Klärung beitragen.

Existiert die Zeit?

Die Physiker Lee Smolin und Carlo Rovelli arbeiteten viele Jahre zusammen, bevor sie sich über das Wesen von Zeit entzweiten. Smolin zufolge existiert die Zeit wirklich. Laut Rovelli haben wir es mit mehreren Schichten von Zeit zu tun. Ein Dissens, der eine der ältesten Debatten der Metaphysik neu entfacht.

Schiller und das Erhabene

Friedrich Schiller war einer der radikalsten Vernunft- und Freiheitsverfechter seiner Zeit. In der 1801 erschienenen Abhandlung „Über das Erhabene“ predigt er das Ideal der geistigen Unabhängigkeit mit besonders eindrücklicher Wucht.

„Sobald man Teil der Lüge wird, ist man nicht ihr Opfer“

Um heutige Autokratien zu verstehen, muss man den bekanntesten Schriftsteller der Welt lesen: William Shakespeare. Ein Gespräch mit dem Literaturwissenschaftler Stephen Greenblatt über die Funktion von Fiktionen und die Geburt der Macht aus dem Drama.

Helmuth Plessner und die Gemeinschaft

Scharfsinnig und stilistisch virtuos wendet sich Helmuth Plessner in seinem 1924 veröffentlichten Werk „Grenzen der Gemeinschaft“ gegen den Wir-Kult, der damals die junge Demokratie der Weimarer Republik von rechter und linker Seite bedroht. Gegen den Rigorismus und das Eindeutigkeitsverlangen des radikal ausgeweiteten Gemeinschaftskonzepts setzt Plessner sein „Ethos der Gesellschaft“ und liefert damit die philosophisch-anthropologische Begründung für die Sphäre einer zivilisierten Öffentlichkeit.

„Geflüchtete wurden zu Symbolen der Entfremdung“

Wie lässt sich das Selbstbestimmungsrecht von Staaten mit dem Recht der anderen vereinen? In Zeiten globaler Migration ist Seyla Benhabib die Philosophin der Stunde: Im großen Werkgespräch plädiert die Universalistin für einen realitätsgesättigten Kosmospolitismus.

„Das Zwerchfell besitzt rebellische Fähigkeiten“

Alexander Kluges umfassendes Werk aus Filmen, Literatur und Theorie kreist immer wieder um unser vielschichtiges Körperwissen. Für den Denker birgt der Leib nicht nur eine zweite Vernunft. Sondern auch: ein unstillbares Maß an Eigensinn.

Pro & Contra: Gibt es eine moralische Pflicht, sein Kind impfen zu lassen?

1,5 Millionen Kinder weltweit sterben jährlich an Infektionen, die durch Impfungen hätten verhindert werden können. Auch in Deutschland gibt es immer wieder Todesfälle, allein in diesem Jahr sind bereits mehr als 1000 Menschen an Masern erkrankt. Verhält sich, wer seinem Kind den Piekser erspart, asozial?

„Kapitalisten mögen keinen Wettbewerb“

Marxismus und Geografie, mit dieser ungewöhnlichen Theoriemischung legt der britische Denker David Harvey die zentralen Widersprüche unserer Zeit frei. Ein revolutionäres Gespräch über Städte als Beute, falsche Krisenbegriffe und die Notwendigkeit für die Linken, endlich richtig zuzubeißen
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Geschichte kommt nach Hause

Am baldigen Brexit zeigt sich nicht nur die Verlogenheit von Teilen der britischen Elite, sondern auch eine historische Konstante einstiger Imperien.

Karl Marx und der Klassenkampf

Lange galt Karl Marx als philosophisches Gespenst und seine Schriften als historisch überholte Theoriemärchen. Das hat sich fundamental geändert. Im Jahr seines 200. Geburtstags ist sein Denken aktueller denn je.

Die letzte Zigarette

Nicht mehr lange, dann hat sich die europäische Tabakkultur in Luft aufgelöst. Für Gesundheit und Umwelt ist das gut. Dennoch geht etwas verloren. Denn Rauchen war auch immer eine philosophische Alltagsübung.