Nr. 1 / 2016

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Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

unsere Entscheidung, die Frage „Gibt es einen guten Tod?“ zum Titelthema der aktuellen Ausgabe zu machen, fiel lange vor den jüngsten, todbringenden Terrorwellen. Tatsächlich befand sich das Heft zum Zeitpunkt der Attentate von Paris bereits in der Auslieferung. Es bestand also nicht die Absicht, die Themengebiete Sterblichkeit und Terror explizit zusammenzuführen. Dennoch hängen sie natürlich eng zusammen. In der gedanklichen Entwicklung des Titeldossiers war für uns die Frage leitend, ob und inwieweit sich der Mensch mit seiner Endlichkeit versöhnen kann. Im Verlauf der vergangenen Tage wurde uns die grundsätzliche Anfälligkeit unserer Existenz, Kultur und Gesellschaft wieder auf besonders erschütternde Weise bewusst. Zudem steht das Wissen um unsere Sterblichkeit in enger Verbindung mit motivational offenbar hochwirksamen Jenseitsphantasien, wie sie für zeitgenössische religiöse Fundamentalismen kennzeichnend sind. Insofern kommt einer intensiven Auseinandersetzung mit der philosophischen Tradition des Sterben-Lernens gerade in der aktuellen Situation eine besondere Bedeutung zu.



Dossier: Gibt es einen guten Tod?

Kein Mensch entgeht dieser Frage. Für die meisten bleibt sie mit Angst behaftet. In den aktuellen Debatten zur Sterbehilfe wird über den guten Tod vor allem im Sinne des guten Sterbens und damit reiner Machbarketserwägungen verhandelt. (Wo liegen unvertretbare Leidensgrenzen? Hat der Mensch das Recht, selbst über sein Ende zu bestimmen?)
Im Zuge der Konzentration auf das Sterben geraten die lebensleitenden Fragen aus dem Blick. Wie gehen wir mit der eigenen Endlichkeit um? Können wir uns mit dem Tod versöhnen? Ist nicht vielleicht das bewusste Vorauslaufen in den Tod, wie es beispielsweise Sokrates und Heidegger behaupten – der Schlüssel zu einem Gelungenen Dasein?

Mit Beiträgen u.a. von Svenja Flaßpöhler, Reinhard Merkel, Philippe Forest, Thomas Macho und David Wagner.


Heirate dich selbst! Von Slavoj Žižek

Das Zeitalter des Narzissmus treibt immer neue Blüten: Self-Dating wird zum globalen Freizeittrend, frisch verliebte Pärchen unterzeichnen vorgedruckte Sexeinwilligungs-Verträge, Klassiker der Weltliteratur sollen Studenten nur noch in zensierten Versionen vorgelegt werden.
Eine Gegenrede von Slavoj Žižek
pixabay.com,  published under creative commons CCO

 

 Solidarität ohne Grenzen?

Der Bürgerkrieg in Syrien eskaliert immer stärker, die Lage in Afghanistan droht außer Kontrolle zu geraten und täglich machen sich Tausende Flüchtlinge auf den Weg in den Westen, vor allem nach Deutschland. Noch nie stand die Europäische Union vor einer derartigen Herausforderung. Caroline Emcke und Herfried Münkler im Dialog über das Erbe der Aufklärung, europäische Identität und Verantwortung im Ausnahmezustand.
„Migrants in Hungary 2015 Aug 007“ Photo: Gémes Sándor – Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons


Swetlana Alexijewitsch:
„Ich beginne, wo Historiker enden“

Swetlana Alexijewitsch erhielt den diesjährigen Nobelpreis für Literatur. Sie verleiht all jenen eine Stimme, deren Leben von der Sowjetmacht gezeichnet wurden – vom Zweiten Weltkrieg über Tschernobyl bis hin zum System Putin. Wir trafen sie in ihrer Heimat Weißrussland, wo die Sehnsucht nach autoritärer Führung größer scheint als je zuvor.
„Swetlana Alexijewitsch 2013“ von Elke Wetzig – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons


Der Klassiker: Judith Butler und die Genderfrage

Nichts scheint natürlicher als die Aufteilung der Menschen in zwei Geschlechter. Dies lasse sich, so die gängige Auffassung, an biologischen Merkmalen und spezifischen Eigenschaften unschwer erkennen. Judith Butler erschüttert diese Ansicht fundamental. Nicht nur das soziale, auch das biologische Geschlecht, so die Philosophin, ist schon ein Effekt von Machtdiskursen. Die visionäre Kraft ihres Denkens scheint sich gerade in Hinblick auf aktuelle politische Debatten zu bewahrheiten.


Intro

  • Editorial
  • Ihre Frage
  • Kinder fragen Tomi Ungerer
  • Leserbriefe

Zeitgeist

  • Sinnbild
  • Denkanstöße
  • Resonanzen
    „Mein Kampf“: Gift fürs Volk? / James Bond: Ein Ödipus im Smoking / Russland: U-Boote gegen das Internet / Israel: Rückfall in den Naturzustand?
  • Weltbeziehungen 
    Die sklerotische Gesellschaft
    Kolumne von Hartmut Rosa
  • Kaufrausch
    Brauchen wir Koffeingummibärchen?
    Kolumne von Markus Krajewski

Horizonte

  • Dialog
    Solidarität ohne Grenzen?
    Caroline Emcke und Herfried Münkler
    über die Flüchtlingskrise
  • Essay
    Heirate dich selbst!
    Liebe im Zeitalter des Narzissmus. Von Slavoj Žižek

Dossier:
Gibt es einen guten Tod?

  • Der Tod: Sinnstifter oder Sinnvernichter?
    Von Svenja Flaßpöhler
  • Panorama
    Sterben lernen – Vier Paradebeispiele
  • Gespräch
    Das Recht auf Suizid gehört zu unserer Würde
    Mit Reinhard Merkel
  • Essay
    Was bleibt von mir? Neue Wege zur Unsterblichkeit
    Von Nils Markwardt
  • Es gibt keinen guten Tod
    Von Philippe Forest
  • Dialog
    Kann ich so gehen?
    Mit David Wagner und Thomas Macho

Ideen

  • Das Gespräch
    Nobelpreisträgerin
    Swetlana Alexijewitsch
  • Werkzeugkasten
    Lösungswege / Gedanken von anderswo/ Die Kunst, recht zu behalten
  • Der Klassiker
    Judith Butler und die Gender-Frage

    + Sammelbeilage:
    „Das Unbehagen der Geschlechter“

Bücher

  • Buch des Monats
    Wer lenkt mein Gehirn?
  • Thema
    Träum weiter!
  • Scobel.Mag
  • Die Philosophie-Magazin-Bestenliste
  • Festliche Wahrheiten
    Büchertipps der Redaktion zu Weihnachten

Finale

  • Agenda
  • Comic
  • Spiele
  • Lebenszeichen
    Von Tieren lernen: Der Axolotl / Das Gare ist das Wahre
  • Sokrates fragt
    Carolin Kebekus