Norm und Natur – ein philosophisches Puzzle

Es scheint selbstverständlich, dass wir nicht nur deskriptive, sondern auch normative Aussagen treffen, wenn wir über Gegenstände in der Natur sprechen. So sagen wir etwa, dass Fische im Wasser schwimmen sollten oder dass Menschen in den ersten Lebensjahren eine Sprache lernen sollten. Doch was ist unter diesem Sollen zu verstehen? Welche Art von Norm ist damit gemeint? Und wie verhält sie sich zu den natürlichen Gegenständen?

Auf diese Fragen gab und gibt es ganz unterschiedliche Antworten. Der besondere Reiz der Philosophiegeschichte liegt darin, dass sie eine Fülle von Antworten aufzeigt. Freilich macht sie nicht nur deutlich, welche Antworten es gab, sondern auch, warum bestimmte Antworten in bestimmten theoretischen Kontexten gegeben wurden, wie diese Antworten in anderen Kontexten infrage gestellt und durch neue Antworten ersetzt wurden. Gerade im Übergang vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit zeigt sich sehr anschaulich, wie traditionelle Antworten immer mehr ins Wanken gerieten.

Daher sollen einige Modelle zur Erklärung des Verhältnisses von Norm und Natur vorgestellt werden. Den Ausgangspunkt bildete das aristotelische Modell der »Norm von innen«, dem zufolge die Form eines Gegenstandes dafür verantwortlich ist, dass er sich auf eine bestimmte Art verhalten sollte. Dieses Modell wurde immer mehr durch ein theistisches Modell der »Norm von oben« bekämpft, das davon ausging, dass Normen nur möglich sind, wenn es auch einen Gesetzgeber gibt, der Naturgesetze erlässt. Sobald aber bezweifelt wurde, dass ein solcher Gesetzgeber einfach angenommen werden darf, entstand ein psychologisches Modell der »Norm von uns«. Vertreter dieses Modells insistierten darauf, dass wir ein regelmäßiges Verhalten der Gegenstände beobachten und daher Erwartungen haben, wie sie sich auch in Zukunft verhalten sollten – über mehr als unsere Erwartungen dürfen wir aber nicht sprechen.

Die einführenden Bemerkungen sollen nicht abschließend festlegen, was unter einer Norm zu verstehen ist und wo sie anzusiedeln ist. Sie sollen vielmehr verschiedene theoretische Optionen aufzeigen. Oder bildlich gesprochen: Sie sollen auf die Teile eines Puzzles hinweisen, das auf ganz unterschiedliche Weise zusammengesetzt werden kann.

Sie können sich noch bis zum 06.09.2017 online als Teilnehmer/in für die Konferenz anmelden.
Das gesamte Tagungsprogramm finden Sie hier.

Der Kongress findet vom 24.-27. September 2017 statt und umfasst folgende Formen des wissenschaftlichen Austauschs:

Plenarvorträge

Kolloquien

Sektionen

Foren

Zusätzlich gibt es eine Mitgliederversammlung der DGPhil, ein Treffen der frauenfördernden Gesellschaften (SWIP, IAPh), AG Philosophische Editionen und ein Treffen der Bundesfachschaft für Philosophie.