Hannah Arendt – Die Freiheit des Denkens

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Sie ist eine der großen Außenseiterinnen des 20. Jahrhunderts und eine der schärfsten Beobachterinnen ihrer Epoche. Hannah Arendts Themen sind von bleibender Aktualität: die Ur­sprünge politischer Gewalt, die Unbegreiflich­keit des Bösen, die Menschenrechte von politisch Verfolgten und Flüchtlingen, der Sinn der Arbeit. Arendt wieder zu lesen, heißt nicht, bloß ihren Ideen zu folgen. Sondern viel­mehr auch ihrem Ideal, dem beherzten Denken „ohne Geländer“ und ohne Vorurteile. Es heißt, uns mit der Welt, in der wir leben, aktiv auseinander­zusetzen. Und um die Sache zu streiten.

Die Sonderausgabe präsentiert zentrale Motive aus Arendts Werk und interpretiert sie in Essays und Interviews, unter anderem mit Seyla Benhabib, Susan Neiman, Rahel Jaeggi, Daniel Cohn-Bendit, Bettina Stangneth, Gesine Schwan und Volker Gerhardt.


Idomeni
Denk-Beziehungen

Für Hannah Arendt ging Lieben und Denken zusammen, sie pflegte als Freundin ebenso wie als Liebespartnerin den leidenschaftlichen Gedankenaustausch. Von ihrer frühen Liebe Martin Heidegger, über ihren großen Mentor und Freund Karl Jaspers bis zu ihrem zweiten Ehemann und langjährigen Denk-Gefährten Heinrich Blücher. Mit Texten von Martin Legros zu Arendts Biographie, Leon Botstein über ihre Wirkung in den USA – und der Totenrede von Hans Jonas .
Photo: © Courtesy of the Hannah Arendt Blucher Literary Trust


Idomeni
Flucht, Judentum, Menschenrechte

Die Erfahrung, Flüchtling und Staatenlose zu sein hat Arendt politisch nachhaltig geprägt. In „We Refugees“ beschreibt sie schonungslos, was Flucht aus Menschen macht. Stefania Maffeis schreibt die Geschichte von Hannah Arendts frühem Exil in Paris als eine Geschichte des Nachdenkens über das Außenseitertum und Seyla Benhabib setzt sich mit Arendts pointierter Kritik der Menschenrechte, die Flüchtlinge nicht schützen, auseinander.
Bild: © CC-by 2.0 Mario Fornasari


reichsparteitag-1935
Totalitarismus

„Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ ist eine raumgreifende Geschichte des Traditionsbruches, der zu Regimen des Terrors in Europa führte. Antonia Grunenberg erklärt im Gespräch die Hintergründe von Arendts Analyse und erläutert die von ihr herausgearbeiteten totalitären Elemente, die als grundlegende Gefahren für moderne Demokratien weiterwirken können. Der Historiker Enzo Traverso skizziert die Karriere des Kampfkonzeptes Totalitarismus und reflektiert seine Anwendbarkeit auf heutige Phänomene.
Bild: Reichsparteitag 1935, gemeinfrei


1966 strike
Vita Activa

Was tun wir eigentlich, wenn wir tätig sind? Die Hauptfrage von „Vita activa“ führt mitten hinein in die „Conditio humana“. Wie Bérénice Levet zeigt, hat Arendt dabei als eine der ersten nicht die Sterblichkeit des Menschen, sondern seine Natalität als zentrales Faktum begriffen. Arendts Aufteilung der menschlichen Tätigkeiten in Arbeiten, Herstellen und Handeln beleuchtet Rahel Jaeggi im Gespräch mit Blick auf die heutige Frage nach dem Sinn unseres Tuns und unserer Arbeit.
Bild: CC-by 2.0 Kheel Center



Das Böse

„Eichmann in Jerusalem“, Arendts Bericht über den Eichmann-Prozess 1961 ist und bleibt ihr umstrittenstes Werk: das Schlagwort von der „Banalität des Bösen“ ist oft als eine Entschuldigung der Täter aufgefasst worden. Susan Neiman erklärt im Interview, dass nicht die Täter verteidigt werden, wohl aber die Welt, in der der Holocaust passieren konnte. Die Philosophin und Historikerin Bettina Stangneth stellt klar, wie sehr sich Arendt in der Person Eichmanns getäuscht hat. Und hält trotzdem fest, wie fruchtbar Arendts Analyse des Bösen für das Nachdenken auch heute ist.
Bild: Adolf Eichman at trial in Jerusalem 1961, gemeinfrei



Politik, Macht, Öffentlichkeit

Arendts Analysen der Probleme von Demokratien sind aktueller denn je. Der amerikanische Philosoph Roger Berkowitz analysiert mit Arendt die Krise der repräsentativen westlichen Demokratien. Daniel Cohn-Bendit erzählt, wie das politische Denken seiner Generation auch von Hannah Arendt beeinflusst wurde. Im Dialog zeigen die Politikerin und Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan und der Philosoph Volker Gerhardt auf, wie nötig wir Arendts Ideen der gemeinsamen Handlungsmacht und der öffentlichen Kommunikation gerade heute hätten.
Bild: © CC-by-sa 3.0 Olaf Kosinsky / Skillshare.eu


INTRO

  • Das Leben einer Widerständigen
    Chronologie
  • „Man muss einen Preis für
    die Freiheit zahlen“
    Gespräch Hannah Arendt mit
    Günter Gaus

  • DENK-BEZIEHUNGEN

  • Heidegger der Fuchs
    Hannah Arendt
  • Zwischen zwei Menschen entsteht eine Welt
    Martin Legros
  • „Sie blieb immer Außenseiterin“
    Gespräch mit Leon Botstein
  • Ein Genie der Freundschaft
    Hans Jonas

  • FLUCHT, JUDENTUM, MENSCHENRECHTE

  • Wir Flüchtlinge
    Hannah Arendt
  • Der Standpunkt des Exils
    Stefania Maffeis
  • Charlie Chaplin, Paria der Moderne
    Hannah Arendt
  • Menschenrechte ohne
    Nationalstaaten
    Seyla Benhabib
  • Das Recht, Rechte zu haben
    Hannah Arendt

  • TOTALITARISMUS

  • Die globale Herrschaft von
    Ideologie und Terror
  • Drei Formen der politischen
    Unterdrückung
  • Am Abgrund der Moderne
    Gespräch mit
    Antonia Grunenberg
  • Auch Demokratien lügen
    Hannah Arendt
  • Aufstieg eines Kampfbegriffs
    Gespräch mit
    Enzo Traverso

  • VITA ACTIVA

  • Die Bedingtheit des Menschen
  • Die Geburt als philosophische Idee
    Bérénice Levet
  • Jeder Mensch ist ein Neuanfang
    Hannah Arendt
  • Wie wir tätig sind
  • „Jede Arbeit ist Zusammenarbeit“
    Gespräch mit Rahel Jaeggi

  • DAS BÖSE

  • Ist das Böse banal?
  • Heimisch bleiben in einer Welt nach Auschwitz
    Gespräch mit Susan Neiman
  • Eichmann, der Gedankenlose
    Hannah Arendt
  • Radikal ist immer nur das Gute
    Hannah Arendt und Gershom Scholem
  • Er hat alle getäuscht
    Gespräch mit Bettina Stangneth
  • Denken bewahrt vor bösem Tun
    Hannah Arendt

  • POLITIK, MACHT, ÖFFENTLICHKEIT

  • Handeln in Freiheit
  • War 68 in Arendts Sinne?
    Gespräch mit Daniel Cohn-Bendit
  • Die Ohnmacht der Demokratie
    Roger Berkowitz
  • Nur die vielen sind mächtig
    Hannah Arendt
  • Wir brauchen Orte für öffentlichen Streit
    Dialog Gesine Schwan und Volker Gerhardt
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