Die Bibel und die Philosophen

DIESE AUSGABE BESTELLEN

Das Alte Testament ist das heilige Buch sowohl für Juden als auch für Christen, und bietet wahrlich eine spannende und dramatische Lektüre.

Aber ist es auch philosophisch interessant? Schließlich trägt das philosophische Fragen in sich seit jeher eine Tendenz vom Religiösen weg: Wenn Glauben archetypisch Passivität und Hingabe bedeutet, so steht die Philosophie umgekehrt für die Selbstermächtigung des Menschen durch Vernunft, hin zu Aktivität und Freiheit.

Doch die Bibel, die als historischer Text auch ohne religiösen Einsatz gelesen werden kann, wirft auch eindeutig philosophische Fragen auf: Wie lässt sich der Anfang der Welt denken? Was ist der Mensch? Was passiert da, wo die Vernunft an ihre Grenzen gelangt? Wie umgehen mit einander widersprechenden ethischen Forderungen? Wie an das Gute, an eine gerechte Ordnung glauben, ja, an einen Gott überhaupt, wenn wir täglich von unfassbarem Unrecht umgeben sind? Diese Fragen werden in der Bibel gerade durch die ungeheuere Fallhöhe zwischen postulierter göttlicher Allmacht und menschlicher Endlichkeit sehr tief und sehr dringlich. Die hier versammelten philosophischen Lektüren zeigen: Das Alte Testament ist auch ein ungeheuer bezugsreicher Denkraum, ein Raum für Philosophie.


Genesis – Erzählungen vom Anfang

Von der Schöpfung zum Sündenfall, vom ersten Mord der Menschheit bis zur maximalen Strafe der Sintflut, von der Hybris beim Turmbau zu Babel bis zur entsetzlichen Forderung nach einem Menschenopfer – das erste Buch Mose erzählt in rascher Abfolge eine Reihe von hochdramatischen Geschichten, die fundamentale Fragen der Ethik und der Metaphysik berühren: Hätte Gott die Welt auch nicht schaffen können?

Mit Texten von u.a. Saskia Wendel, Søren Kierkegaard und Voltaire.
Bild: Turmbau zu Babel, Bruegel


Das Volk Israel und seine Gesetze

Von Mose aus der Sklaverei in Ägypten befreit, wird das Volk Israel zu einer Nation unter dem Gesetz des einen, einzigen Gottes. Fern und nah zugleich bleibt die Hoffnung auf das versprochene Gelobte Land. Diese Geschichten erzählen von der politischen Befreiung ebenso wie von der Mühsal ihrer Erlangung. Und von dem innigen Verhältnis von Freiheit und Transzendenz.

Mit Texten von u.a. Omri Boehm, Michael Walzer, Immanuel Kant und Emmanuel Lévinas.
Bild: Opferung Isaacs, Caravaggio


Propheten – Erfinder der Geschichte

Gott gebietet den Menschen in Gestalt seiner Gesetze – und mit Hilfe der Propheten. Sie sind die Erfinder nicht nur einer Geschichtsschreibung in die Zukunft hin, sondern auch der Heilsgeschichte, die von Beginn und Ende der Welt spricht. Sie repräsentieren das Imaginäre, sind Hüter der göttlichen Ordnung und geben Kund von der bedrohlichen Möglichkeit des Eingreifen Gottes in die Welt.

Mit Texten von u.a. Wilhelm Schmidt-Biggemann, Leo Strauss, Max Weber und Gershom Scholem.
Bild: Der Prophet Jeremiah, Vernet


Weisheitsbücher – Leib, Schmerz, Endlichkeit

In den poetischen Schriften und Weisheitsbüchern finden sich inten­sive philosophische Reflexionen über die Conditio humana, über die Endlichkeit des Menschen, über den Zustand der Welt und ihr Verhältnis zu Gott. Vom leidenden Menschen, Hiob, der Gottes Gerechtigkeit infrage stellt, bis zur unübertrefflich sinnlichen Liebes­lyrik des Hohelieds erörtern diese Texte Grundbegriffe menschlichen Denkens und Empfindens.

Mit Texten von u.a. Christoph Markschies, Margarete Susman, Meister Eckhart und Johann Gottfried Herder.
Bild: Hiob, Bennat


Intro

  • Editorial
  • Impressum / Denker
  • „Warum sollten Philosophen die Bibel lesen?“
    Interview mit Susan Neiman
  • Chronologien

  • Genesis – Erzählungen vom Anfang

  • „Gott hätte die Welt auch nicht schaffen können“
    Interview mit Saskia Wendel
  • Die Schöpfung
  • Allzu genau datiert
    Hans Blumenberg
  • Unbedingte Kreativität
    Gershom Scholem
  • Paradies und Sündenfall
  • Befreiung vom Instinkt
    Immanuel Kant
  • Denkt nicht, gehorcht!
    Thomas Hobbes
  • Die Angst des Unschuldigen
    Søren Kierkegaard
  • Metaphysischer Masochismus
    Peter Sloterdijk
  • Wir erben die Strafe, nicht die Schuld
    Elie Wiesel
  • Kain und Abel
  • Tödlicher Bruderhass
    Aurelius Augustinus
  • Am Anfang steht Gewalt
    Hannah Arendt
  • Die Sintflut
  • Der Regenbogen als göttliche Gedächtnisstütze
    Rémi Brague
  • Regionale Flut oder globale Vernichtung?
    Johann Gottfried Herder
  • Der Turmbau zu Babel
  • Der Verlust der göttlichen Sprache
    Walter Benjamin
  • Lob der Vielheit
    Umberto Eco
  • Das Opfer Abrahams
  • Alles aufgeben für Gott
    Georg Wilhelm Friedrich Hegel
  • Paradox des Glaubens
    Søren Kierkegaard
  • Bedeutsames Schweigen
    Erich Auerbach
  • Josef in Ägypten
  • Geniales orientalisches Märchen
    Voltaire

  • Das Volk Israel und seine Gesetze

  • „Die Idee des auserwählten Volkes bleibt problematisch“
    Interview mit Omri Boehm
  • Der Brennende Dornbusch
  • Ewig und wandelbar
    Stéphane Mosès
  • Gott ist alles, was er sein kann
    Friedrich Joseph Wilhelm Schelling
  • Die Teilung des Roten Meeres
  • Die Mutter aller Freiheitsbewegungen
    Michael Walzer
  • Die Zehn Gebote
  • Politische, nicht ethische Normen
    Immanuel Kant
  • Religion als Quelle des Rechts
    Martin Buber
  • Bilderverbot ist Triebverzicht
    Sigmund Freud
  • Die Urdifferenz von wahr und falsch
    Jan Assmann
  • Moses hat Israel erschaffen
    Heinrich Heine
  • Auge um Auge
  • Die Geburt der Gerechtigkeit
    Emmanuel Lévinas

  • Propheten – Erfinder der Geschichte

  • „Ohne Apokalypse kein Fortschritt“
    Interview mit Wilhelm Schmidt-Biggemann
  • Baal gegen Jahwe
  • Ein innerjüdischer Kampf
    Martin Buber
  • Die Auserwählten
  • Nichts als Einbildungen
    Baruch de Spinoza
  • Prophetie liegt in der Natur des Menschen
    Leo Strauss
  • Alles andere als unvernünftig
    Maimonides
  • Vermittelte Unmittelbarkeit
    Franz Rosenzweig
  • Ganz Ohr
    Max Weber
  • Jona
  • Jenseits der Prognose
    Gershom Scholem

  • Weisheitsbücher – Leib, Schmerz, Endlichkeit

  • „Gott hat einen Körper, aber kein Geschlecht“
    Interview mit Christoph Markschies
  • Hiob
  • Überdosis Zweifel
    Heinrich Heine
  • Das grenzenlose Leiden der Schuldlosen
    Margarete Susman
  • Frühe Sozialkritik
    Ernst Bloch
  • Der Allmächtige nach Auschwitz
    Hans Jonas
  • Der Prediger
  • Bejahung unserer Endlichkeit
    Franz Rosenzweig
  • Das Lied der Lieder
  • Zwiegespräch mit dem Höchsten
    Meister Eckhart
  • Deute nicht, fühle!
    Johann Gottfried Herder
  • Liebe weist über den Menschen hinaus
    Franz Rosenzweig

  • Die Lutherbibel
    „Der Luther-Sound ist zum Inbegriff religiöser Sprache geworden“
    Interview mit Christoph Levin
  • Literatur